ESG Nachrichten

ESG Nachrichten 20/2026 (11.05.2026 – 17.05.2026)

Im Fokus: EcoVadis und Workiva gehen Partnerschaft zur Optimierung des Scope-3-Reportings ein

EcoVadis erweitert sein Carbon Data Network durch die Integration der Reporting-Plattform von Workiva mit dem Ziel, die Verknüpfung zwischen CO₂-Daten auf Lieferantenebene und der Unternehmensberichterstattung zu stärken. Die Partnerschaft speist die von EcoVadis erhobenen Primärdaten zu Lieferantenemissionen direkt in Workiva Carbon ein, sodass Unternehmen von groben Branchendurchschnittswerten zu detaillierten, prüfsicheren Scope-3-Daten gelangen können.

Produkte und Dienstleistungen

FTSE Russell und Planetrics führen Klimaszenario-Indizes für Investoren ein

FTSE Russell und Planetrics haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um gemeinsam Indizes und Analysen auf der Grundlage von Klimaszenarien zu entwickeln. Planetrics stellt seine proprietären Modelle und Instrumente für physische Klimarisiken sowie Transitionsrisiken bereit; FTSE Russell nutzt diese, um anlageklassenübergreifende Indizes zu erstellen, die Klimaszenarien explizit in Preis- und Risikosignale integrieren. Die beiden Unternehmen entwickeln die zugrundeliegenden Analyserahmen und Datengrundlagen gemeinsam, wobei FTSE Russell für Governance, Indexkonstruktion und Vertrieb verantwortlich zeichnet – unterstützt durch die Forschungs- und Technologiekompetenz von Planetrics. Ziel ist es, Investoren dabei zu unterstützen, über ein allgemeines Klimabewusstsein hinauszugehen und damit zu beginnen, unterschiedliche Klimapfade in die Preisbildung ihrer Portfolios einzubeziehen. Die Einführung neuer Indizes ist für einen späteren Zeitpunkt im Jahr 2026 geplant. Für Investoren bedeutet dies den Zugang zu Benchmarks, die abbilden, wie sich Klimaszenarien – etwa Extremwetterereignisse, politische Änderungen oder uneinheitliche Transformationsprozesse auf Sektorebene – über Lieferketten und Wettbewerbspositionen hinweg auf Unternehmensergebnisse und Portfoliorisiken auswirken.

Regulierung, Gesetze, Rahmenbedingungen

Neuseeland ändert Gesetz, um Unternehmen vor Klimaklagen zu schützen

Neuseeland plant eine Änderung seines Klimaschutzgesetzes, um zu verhindern, dass Unternehmen in Zivilklagen wegen Schäden im Zusammenhang mit Treibhausgasemissionen haftbar gemacht werden. Die geplante Änderung des „Climate Change Response Act“ würde sowohl für laufende als auch für künftige Verfahren gelten, einschließlich eines vor dem High Court anhängigen Falls gegen sechs Großemittenten wie etwa Fonterra. Nach Ansicht der Regierung sollte die Frage der Verantwortung für den Klimaschutz vom Parlament, dem Emissionshandelssystem und den bestehenden Klimaschutzvorschriften geregelt werden – und nicht durch zivilrechtliche Klagen vor Gericht. Sie argumentiert, dass derartige Rechtsstreitigkeiten für die Wirtschaft Unsicherheit schüfen und dass Gerichte nicht dazu geeignet seien, die damit verbundenen umfassenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen zu klären. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund weltweit zunehmender Klimaklagen, bei denen in Europa, den USA und Australien die Haftung von Unternehmen für Emissionen gerichtlich geprüft wird. Kritiker bemängeln, dass die Gesetzesänderung einen der wenigen Rechtswege versperren würde, die Betroffenen zur Geltendmachung von Schadenersatz für klimabedingte Schäden offenstehen. Die Organisation ClientEarth bezeichnete das Vorhaben als äußerst bedenklich und betonte, der Zugang zu Gerichten sei unerlässlich, um Klimaschutzverpflichtungen zu überprüfen und die Rechenschaftspflicht zu gewährleisten. Für Unternehmen würde der Vorschlag das Prozessrisiko verringern.

ESG-Anleihen

SEB arrangiert NWBs erste Social Bond-Emission in SEK

SEB fungierte als alleiniger Lead Manager für die erste in Schwedischen Kronen (SEK) begebene Social Bond der Nederlandse Waterschapsbank (NWB Bank) – eine fünfjährige Anleihe im Volumen von 600 Millionen SEK und zugleich die erste Social Bond der Bank in einer nordischen Währung seit 2019. Die Emissionserlöse dienen der Finanzierung von Projekten im Rahmen des „Social Bond Framework“ der NWB, mit denen bezahlbarer Wohnraum sowie wichtige öffentliche Infrastruktur gefördert werden. Vorausgegangen war der Emission eine von SEB organisierte Investorenreise in die Niederlande, die nordischen institutionellen Investoren – darunter Handelsbanken Fonder, SEB Asset Management und Swedbank Robur – einen direkten Einblick in die Wasserinfrastruktur- und sozialen Wohnungsbauprojekte der NWB ermöglichte. Dies trug dazu bei, die Nachfrage nach dieser Social Bond eines hoch bewerteten Emittenten aus dem öffentlichen Sektor anzukurbeln. SEB hob die Transaktion als Beleg für das große Interesse nordischer Investoren an hochwertigen Social Bonds hervor und betonte ihre Rolle bei der Rückkehr der NWB an den Markt für Schwedische Kronen. Für Investoren bietet die Anleihe die Möglichkeit, in einen erstklassig bewerteten Emittenten aus dem öffentlichen Sektor zu investieren und zugleich gezielte soziale Wirkung durch klar definierte Projekte zu erzielen.

HSBC und Hang Seng Bank unterstützen den ersten an die biologische Vielfalt gekoppelten Kredit in Hongkong

Henderson Land hat die ersten an die biologische Vielfalt gekoppelten Kredite („Biodiversity-linked Loans“) in Hongkong abgeschlossen und dabei rund 100 Millionen HK-Dollar von der HSBC und der Hang Seng Bank eingeworben, um ökologische Aufwertungsmaßnahmen bei seinem gemischt genutzten Bauprojekt „Central Yards“ an der New Central Harbourfront zu finanzieren. Die Mittel fließen in die Anpflanzung heimischer Gewächse, intelligente Systeme zur Bewirtschaftung eines Stadtwalds sowie in Untersuchungen und Überwachungsmaßnahmen zur biologischen Vielfalt auf dem gesamten Gelände. Die Kreditstruktur orientiert sich an den „Green Loan Principles“ der Loan Market Association, der Asia Pacific Loan Market Association sowie der Loan Syndications and Trading Association und legt einen klaren Schwerpunkt auf die Wiederherstellung, den Schutz und die Förderung der städtischen Artenvielfalt. In den mehrstöckigen Gartenanlagen – darunter der größte begrünte „Sky Garden“-Weg im Stadtteil Central – werden mehr als 400 Bäume sowie eine große Vielfalt an Pflanzenarten integriert. Für die beteiligten Banken stellt die Transaktion einen Vorreiterschritt im Bereich der „Nature-positive“-Finanzierung in Hongkong dar und erweitert die nachhaltige Kreditvergabe über den Aspekt der CO2-Reduktion hinaus um messbare Ergebnisse für die biologische Vielfalt. Für Henderson Land bedeutet dies eine Abstimmung der Kapitalstrategie des Konzerns auf die Nachhaltigkeitsziele sowie die Schaffung eines praxisorientierten Modells, das von anderen Immobilienentwicklern übernommen werden kann.

ESG Daten und Analytics

EcoVadis und Workiva gehen eine Partnerschaft ein, um das Scope-3-Reporting zu optimieren

EcoVadis erweitert sein Carbon-Data-Netzwerk durch die Integration der Reporting-Plattform von Workiva mit dem Ziel, die Verknüpfung zwischen CO₂-Daten auf Lieferantenebene und der Unternehmensberichterstattung zu stärken. Die Partnerschaft speist die von EcoVadis erhobenen Primärdaten zu Lieferantenemissionen direkt in „Workiva Carbon“ ein; dadurch können Unternehmen von groben Branchendurchschnitten zu detaillierten, prüfsicheren Scope-3-Daten übergehen. EcoVadis fungiert dabei als Datenmotor, der Emissionen von Lieferanten über den „Carbon Action Manager“ (CAM) erfasst und validiert, während Workiva die Berechnung, Konsolidierung und integrierte Berichterstattung – gemeinsam mit Finanz- und Risikodaten – in einer kontrollierten und prüfungsfähigen Umgebung übernimmt. Für Einkaufs- und ESG-Teams bedeutet dies ein zentrales System für die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Dekarbonisierungsprozesse und das Scope-3-Reporting. Die Kooperation ist Teil der Strategie von EcoVadis, ein stark vernetztes Ökosystem für CO₂-Daten aufzubauen und dabei die KI-gestützte Plattform von Workiva zu nutzen, um die Genauigkeit und Transparenz der Berichterstattung zu erhöhen. Für Investoren und Regulierungsbehörden ergibt sich daraus vor allem, dass mehr Unternehmen Zugang zu verifizierten, lieferantenspezifischen CO₂-Daten anstelle von geschätzten Referenzwerten erhalten.

Führungskräftewechsel

Diginex ernennt Archana Kotecha zur Chief Impact Officer

Diginex hat Archana Kotecha zur Chief Impact Officer ernannt und unterstreicht damit sein Engagement in den Bereichen Menschenrechte und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette. Dieser Schritt folgt auf die Übernahme ihres Beratungsunternehmens „The Remedy Project“ durch Diginex Anfang des Jahres und verknüpft ihre Expertise direkter mit der Produkt- und Kundenstrategie des Unternehmens. Kotecha verfügt über fundierte Erfahrung in den Bereichen Arbeitsrechte, Zwangsarbeit, Beschwerdesysteme, Abhilfemaßnahmen sowie Untersuchungen von Lieferketten. In ihrer neuen Funktion wird sie dazu beitragen, die Kompetenzen von Diginex in den Bereichen Nachhaltigkeit, Compliance und Lieferkettenmanagement in integrierte Kundenlösungen zu überführen – wobei der Schwerpunkt auf messbaren Ergebnissen liegt und nicht allein auf der Offenlegung von Informationen. Die Ernennung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich Unternehmen einer strengeren Regulierung sowie einer genaueren Überprüfung durch Investoren hinsichtlich ihrer Beschaffungspraktiken und der menschenrechtlichen Risiken in globalen Lieferketten gegenübersehen. Laut Diginex stärkt diese Personalentscheidung die Fähigkeit des Unternehmens, Kunden bei der Bewältigung eines zunehmend komplexen regulatorischen Umfelds zu unterstützen, und erweitert das Angebot in den Bereichen Impact und Compliance. Für Diginex ist die Botschaft klar: Die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht entwickelt sich zu einer zentralen Geschäftsfunktion, und das Unternehmen möchte sich als Plattform sowohl für die Beratung als auch für die Umsetzung von Compliance-Maßnahmen positionieren.

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